FROM THE BLOG

SonnenCityProjekt Pfaffenhofen an der Ilm – Kapitel 16 – “Der Nicht-Termin & eine Beerdigung”

 


oder hier @city2livein auf Twitter folgen
>

Bereits vor dem 23.04.2018, wie auch in der Sendung an diesem Tag bei Transparenz-TV erwähnt, stand bereits fest, dass ein Termin mit dem Bürgermeister der Stadt stattfinden sollte.

Wir hatten von einem Mitarbeiter des Bauamts eine Email erhalten und waren zu einem Termin in “grosser Runde” mit dem 1. Bürgermeister eingeladen, um dort eventuell entstandene Missverständnisse nun grundsätzlich klären zu können. Auch in einem Artikel des Pfaffenhofener Kurier hatte der Bürgermeister sich über diesen Termin persönlich nochmals öffentlich geäußert.

Von amtlicher Seite war die Rede, dass man nun gemeinsam im Sinne der Nachhaltigkeit die „Reset-Taste“ drücken wolle… Wir freuten uns somit auf den angekündigten Neustart der Gesprächsverhandlungen mit den Verantwortlichen der Stadt Pfaffenhofen.

… 

Beerdigung einer nachhaltigen Planung im “Nicht-Termin” bei der Stadt Pfaffenhofen:

Zusammen mit unserem Bauherren fanden wir uns am 2. 5. 2018 zum „Bürgermeister-Termin in großer Runde“ im Rathaus Pfaffenhofen an der Ilm ein. Zu diesem Termin erschienen jedoch weder, wie zugesagt, der 1. Bürgermeister noch in Vertretung, wie kurzfristig vorher angekündigt, der 3. Bürgermeister… 

Erst während des Termines wurde uns stattdessen mitgeteilt, dass trotz Zusage kein Bürgermeister für uns Zeit haben würde. In dem darauf folgenden Gespräch mit dem Stadtbaumeister und Vertretern des Bauamtes wurden uns leider nur die bereits seit vielen Monaten bekannten Positionen der Stadt wiederholt.

Wir erklärten, dass wir den Empfehlungen des städtischen Bauamtes nachgekommen seien: Im März 2018 wurden uns vom Bauamt eine Mitarbeiterin der Denkmalpflege des Landratsamtes als Ansprechpartner genannt. Die Mitarbeiter dieses städtischen Bauamtes empfahlen uns, dass wir mit dieser Mitarbeiterin der Denkmalpflege klären sollten, wie die städtischen Denkmalschutzauflagen zur Dreiseithofbildung, zur Dachform, -höhe und –farbe im Detail von uns auszuformulieren sind.

Wir berichteten von diesen Absprachen mit der Denkmalpflege: Diese Absprachen wurden auf 2 Termine aufgeteilt, weil die zuständige Denkmalpflegerin gewissenhaft ihre Einschätzungen nochmals vor Ort direkt überprüfen wollte. Das Ergebnis der prüfenden Einschätzung der Mitarbeiterin der Denkmalpflege, welche uns als entsprechende verantwortliche Mitarbeiterin genannt wurde, war: Die Denkmalpflege sah weder einen zwingenden Bedarf eines roten Daches, noch den Bedarf einer Fixierung einer bestimmten Dachform oder gar die städtebauliche Festlegung einer Dreiseithofbildung. Auch bei der Höhe des Daches ergab sich die Einschätzung, dass wir mit unserer Planung deutlich alle bestehenden Vorgaben einhalten, ja sogar massiv unterschreiten würden.

Sogar bezüglich der Solaranlage hatte der Denkmalschutz keine großen Bedenken, da sich das Projekt nicht im Bereich eines “Postkartenblicks” befand.

Nach Präsentation dieser Fakten durch uns, wurde uns von Seiten des städtischen Bauamtes vorgehalten, dass unsere vom städtischen Bauamt empfohlene Mitarbeiterin der Denkmalpflege die völlig falsche Ansprechpartnerin gewesen sei: Wörtlich wurde hierzu vom Amt erklärt: “… dass wir bei den von der Stadt vermittelten Gesprächspartnerin im Landratsamt wohl nur mit „Hänschen, statt mit Hans“ geredet hätten und deshalb sei auch jegliche Absprache nicht verwertbar”.

Nachdem wir gegen diese disqualifizierende Formulierungen über die gewissenhaft arbeitende Mitarbeiterin des Landratsamts protestierten, führten unsere bauamtlichen Gesprächspartner weiter aus: Die Stadt Pfaffenhofen wird an diesem Ort in Niederscheyern keinesfalls eine Bauleitplanung beginnen. Auf unsere mehrmalige Nachfrage hin bestätigten die Stadtvertreter nochmals, dass die Stadt auf ihre kommunale Gestaltungshoheit verzichten wird und ausschließlich, wie von Beginn an nur der § 34 BauGB für diesen Ort gelten wird: Eine andere Chance auf eine Bebauung wird es keinesfalls geben. Für unseren Bauherrn wurde explizit nochmals erklärt: Dieser Ort braucht keinerlei gestalterische Veränderung. Alles soll gesamtgestalterisch so bleiben, wie es ist: Jedoch darf unser Bauher im Rahmen dieser Bedingungen noch Gebäude auf seinem Grund gemäß der Bauweisen der vorhandenen Umgebung hinzufügen. Mehr Gestaltung würde die Stadt an diesem Ort nicht zulassen. Weiter wurde nach unseren mehrfachen Nachfragen, wie an diesem Ort noch die Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärungsziele erfüllt werden könnten, amtlich wörtlich geantwortet: „Die Nachhaltigkeitsziele von Pfaffenhofen bleiben für das Amt stets nachrangig, insbesondere an diesem Ort.“

Unsere Vorschläge zum Erhalt und zur Huldigung der Linde widersprechen dem Bauamtswillen

Die Linde

Mit zusätzlicher großer Verblüffung haben wir von der Amtsleitung des Pfaffenhofener Bauamtes im Gespräch entgegen nehmen müssen, dass unsere intensiven Versuche, die auf dem Grundstück befindliche Linde zu retten, auf Unverständnis gestoßen sind: Nachdem die Herren des Amtes uns erklärten, dass eine Fällung dieser Linde aus ihrer Sicht nun wirklich kein Problem sei, haben wir die Amtsleitung nochmals darauf hingewiesen, dass diese Linde unter Schutz stehen würde.

Diesem Einwand wurde jedoch nach unserem großen Erstaunen nur recht gleichgültig geantwortet: Das Thema der Linde bliebe jetzt in der wirtschaftlichen Verantwortung des Bauherren: Eine architektonische Ehrung und Verneigung der Linde, wie wir dies mit unseren Entwürfen vorgeschlagen hatten, würde für das Bauamt keinesfalls in Frage kommen, da dies nicht nach dem §34 in Ortsbild passen würde.

Nachdem wir im Gespräch erwiderten, dass mit diesem Verhalten des Bauamtes doch eigentlich jeder Bauträger motiviert werden würde, schützenswerte Bäume zu fällen, da sich ein Erhalt oder gar Ehrung wirtschaftlich nicht rechnen würde, führten unsere amtlichen Verhandlungspartner nickend weiter aus: Natürlich dürfe das Amt nicht dazu aufrufen, dass dieser Baum gefällt wird, nachdem er vom Landratsamt geschützt wurde, aber das Bauamt würde ausschließlich nur die Belange nach §34 BauGB prüfen. Die Linde sei hierbei für dieses Amt nur sehr nachrangig von Belang, ähnlich wie die Nachhaltigkeitsziele weiterhin nur sehr nachrangig von Belang bleiben werden…

Mit diesen eindeutigen Worten war für uns mit diesem “Nicht-Termin” unmissverständlich klar gemacht worden: Unser angestrebtes ganzheitliches Nachhaltigkeits-Projekt mit der Verfolgung von 11 der 17 SDG-Ziele gemäß der Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung ist in Pfaffenhofen an dieser Stelle nicht möglich:

Immerhin waren wir nun „dankbar“ für diese unmissverständlichen Worte, die dazu führten, nun die wirtschaftlichen Interessen unseres Bauherrn wieder in den Vordergrund des Vorhabens zu stellen, statt seine ursprünglich nachhaltigen Interessen.

Unsere nachhaltigen Planungen mussten somit endgültig “beerdigt” werden, nachdem unsere nochmaligen Nachfragen und Hinweise in Bezug auf den Absatz 5 der Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung, dass jedes Projekt in Bezug auf die zu verfolgenden SDG-Ziele entsprechend vom Rat der Stadt im Zweifel doch wenigstens geprüft werden müsste, nichts mehr halfen:

Trotz diverser formeller und informeller Gespräche mit politisch Verantwortlichen, hat die Politik keinerlei Interesse an unseren nachhaltigen Konzepten gezeigt, sondern faktisch zum Schluss nur noch betont, dass die Kommune für diesen Ort auf ihre kommunale Gestaltungshoheit verzichten will, denn alles solle so bleiben, wie es ist.

Wenngleich aus unserer Sicht die Beerdigung dieses nachhaltigen Projektes ein übler Rückschlag im Sinne der Pfaffenhofener Nachhaltigkeitserklärung darstellt, wollen wir uns weder von unseren Zielen abhalten lassen, noch den Glauben daran verlieren, dass die politischen Stadtvertreter von Pfaffenhofen nachhaltigen Ziele verfolgen wollten.

Durch unseren Medienauftritt wurden wir von vielen kritischen Mitbürgern mit diversen – zum Teil spekulativen – Berichten konfrontiert, warum viele Stadtvertreter an diesem Ort nicht nur weitere Gespräche zu Gunsten nachweislich nachhaltiger Ziele verweigern würden, sondern auch weiterhin ausgrenzende üble Hetze und Nachrede produzieren würden. Wir sind sehr betroffen über diese Berichte und Erzählungen. Weil wir uns bislang jedoch weder vorstellen können, noch vorstellen wollen, dass eine SPD-Grün-ÖDP und FW geführte Stadtregierung zu Mitteln greift, die wir eigentlich eher rechtsradikalen Strömungen zuordnen, wollen wir weiter an unserem Optimismus zu Gunsten einer nachhaltigen Wende festhalten. Dies gilt erst recht, weil wir ebenso durch diverse Gespräche mit politisch Verantwortlichen den Eindruck gewonnen haben, dass nachhaltige Konzepte in Pfaffenhofen noch immer bei vielen Verantwortlichen gerne „gesehen“ sind. Diese Gesprächspartner haben uns persönlich mehrfach versichert, dass sie keinesfalls vorhaben, einer Kunst eines unglaubwürdigen „Greenwashing-Marketings“ nachzugehen, wie es leider bei vielen Kommunen üblich geworden ist.

Auch lassen wir uns durch das Nichterscheinen des Bürgermeisters zu diesem dadurch völlig überflüssig gewordenen Termin, bei dem nur nochmals wiederholt wurde, was bereits seit langem propagiert wurde, nicht davon abhalten, trotz alldem möglichst nachhaltige Gebäude zu erstellen. Fest steht, daß mit diesen, jetzt nach umliegender Bebauung zu planenden Gebäuden, nur noch ein Bruchteil an Nachhaltigkeit realisierbar ist. Durch das Beharren der Stadt Pfaffenhofen, dass an diesem Ort nur eine Bebauung gemäß §34 Baugesetzbuch (umliegende Bebauung) erfolgen darf, werden jetzt nur noch entsprechend energieeffiziente Reihenhäuser auf Basis der vorhandenen Umgebung entstehen können.

In Folge dieser Umstände verliert die Deutsche Umweltstiftung leider auch den für sie geplanten Stiftungsanteil. Der durch die Planung erhöhte Mehrwertanteil des Grundstückes sollte der Stiftung zu Gute kommen. Ziel war es, dass die Deutsche Umweltstiftung hier eine kommunikative Einrichtung erhält (Am Dorfplatz unter der Linde), so dass die Stiftung insbesondere nachhaltige Themen der Stadt Pfaffenhofen mit ihrer Region inhaltlich und in Abstimmung mit den Erfahrungen aus anderen Regionen unterstützen hätte sollen. Wir halten dies im Sinne unserer Umwelt und im Sinne der dringend notwendigen Transformation für sehr bedauerlich.

Gesamtübersicht über alle Kapitel der
OnlineDoku SonnenCityProjekt Pfaffenhofen.

 

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.